114 Jahre Weltfrauentag – Wie weit sind wir wirklich gekommen?
- Diana S.
- 8. März
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. März
Weltfrauentag - Wenn du eine Frau vor 114 Jahren wärst...
Stell dir vor, du wachst im Jahr 1911 auf.
Du bist eine Frau – aber du hast kein Wahlrecht.
Dein Geld? Gehört nicht dir.
Ein Bankkonto ohne die Erlaubnis deines Ehemanns oder Vaters? Unmöglich.
Deine Bildung? Schule? Vielleicht. Uni? Undenkbar.
Dein Platz? Zuhause, bei den Kindern.
Deine Meinung? Bitte nur hinter verschlossenen Türen.
Vor über 100 Jahren war das Leben für Frauen eine einzige Einschränkung. Und doch gab es Frauen, die sich nicht damit abgefunden haben. Die protestiert, gekämpft und ihre Stimmen erhoben haben. Frauen wie Clara Zetkin, die 1911 den Weltfrauentag ins Leben rief – einen Tag, der damals ein revolutionärer Akt war.
"114 Jahre später – ist das genug? Wir sind weiter als damals, aber noch lange nicht am Ziel."
Von Rebellion zur Realität – Die Geschichte des Weltfrauentags

Der Kampf um Gleichberechtigung war nie leise. Frauen streikten, protestierten und riskierten ihre Existenz – weil sie nicht länger für Hungerlöhne schuften, sich Gesetze von Männern diktieren lassen oder ohne Stimme leben wollten. Sie haben sich ihren Platz nicht genommen – sie haben ihn sich geholt. Weil niemand von selbst auf die Idee kam, ihn ihnen zu überlassen.
Doch wie wurde aus diesem Protest ein weltweiter Aktionstag?
Eines ist klar: Gleichberechtigung wird nicht geschenkt – sie wird erkämpft. Wer einmal Privilegien hat, gibt sie selten freiwillig ab. Sie werden verteidigt, abgesichert, festgehalten – oft um jeden Preis. Das liegt tief im menschlichen Naturell.
Deshalb war der Kampf für Gleichstellung auch nie ein höfliches Klopfen an der Tür. Er war ein lautes, hartnäckiges „Jetzt reicht’s!“ Frauen gingen auf die Straße, forderten ihr Recht ein – und hörten nicht auf, bis sie gehört wurden.
Und dann? Dann wurde aus diesem Protest ein weltweiter Aktionstag.
Der Internationale Frauentag hat seine Wurzeln in der sozialistischen Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Inspiriert von mutigen Frauen in den USA rief Clara Zetkin 1910 auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen zu einem weltweiten Kampftag auf. Ihre Idee? Mutig. Radikal. Revolutionär.
1911 war es soweit: Am 19. März gingen Frauen in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweizauf die Straße. Ihr Ziel? Wahlrecht. Gleichberechtigung. Eine Zukunft auf Augenhöhe.
Doch der Kampf war noch nicht vorbei. 1921 wurde der 8. März als offizieller Termin für den Weltfrauentag festgelegt – eine Entscheidung der Kommunistischen Fraueninternationale, maßgeblich geprägt durch Clara Zetkin.
Heute ist der 8. März ein weltweites Symbol für Gleichstellung – und in Deutschland sogar ein gesetzlicher Feiertag.Zumindest in zwei Bundesländern. Berlin machte 2019 den Anfang, Mecklenburg-Vorpommern zog 2023 nach. Der Rest? Hinkt hinterher.
Aber Moment mal... Ein einzelner Feiertag macht noch lange keine Gleichberechtigung.
Also, wie weit sind wir wirklich gekommen?
Ein Tag, an dem Frauen ihre Forderungen unüberhörbar machten.

Was einst wie ein kühner Traum klang, wurde Realität. Die Frauen schrieben ihre Geschichte selbst:
1911 – Der erste Weltfrauentag: Tausende Frauen demonstrieren für Wahlrecht, faire Löhne und Gleichstellung.
1919 – Durchbruch in Deutschland: Frauen dürfen endlich wählen! Doch echte Gleichberechtigung bleibt ein ferner Traum.
1975 – Die Vereinten Nationen erkennen den 8. März offiziell als „Internationalen Tag der Frauenrechte“ an. Ein Zeichen, dass der Kampf längst nicht vorbei ist.
2025 – Noch nie hatten Frauen so viele Rechte. Noch nie waren sie so sichtbar. Doch reicht das?
Denn so viel in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde – Gleichberechtigung bleibt ein Kampf. Kein Selbstläufer, kein Geschenk. Sondern eine Forderung, die jeden Tag aufs Neue laut werden muss.
Gleichberechtigung 2025 – Wunsch oder Wirklichkeit?
Ja, Frauen haben heute Rechte, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Aber sind wir wirklich dort angekommen, wo wir sein sollten?
✔️ Wahlrecht – In fast allen Ländern der Welt.
✔️ Frauen in Führungspositionen – Doch sie bleiben in Chefetagen unterrepräsentiert.
✔️ Bildungschancen – Gestiegen, aber längst nicht für alle.
✔️ Gesetze gegen Diskriminierung – Ein Fortschritt, doch Diskriminierung existiert weiter.
Doch die Realität hat eine andere Seite:
❌ Gender Pay Gap – Frauen verdienen in vielen Ländern noch immer weniger als Männer für dieselbe Arbeit.
❌ Unbezahlte Care-Arbeit – Haushalt, Kindererziehung, Pflege – die Hauptlast tragen weiterhin Frauen.
❌ Gewalt gegen Frauen – Weltweit erlebt jede dritte Frau physische oder sexualisierte Gewalt.
❌ Rückschritte weltweit – In vielen Ländern werden Frauenrechte aktiv zurückgedrängt – sei es durch politische Regime, religiösen Extremismus oder gesellschaftliche Normen.
Und während manche noch darüber streiten, ob wir wirklich eine „Gender-Debatte“ brauchen, kämpfen Frauen anderswo ums blanke Überleben.
104 Jahre nach dem ersten Weltfrauentag bleibt eine Frage: Wie weit sind wir wirklich gekommen – und wie weit müssen wir noch gehen?
Inklusion & Diversität: Wer wird (noch) übersehen?

Gleichberechtigung ist nicht gleich Gleichberechtigung. Nicht alle Frauen kämpfen denselben Kampf – manche stehen vor noch größeren Hürden. Diskriminierung kennt viele Gesichter.
Frauen mit Behinderung – Der Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung bleibt oft erschwert. Barrieren bestehen nicht nur physisch, sondern auch in den Köpfen der Gesellschaft. Wer nicht sichtbar ist, wird oft nicht mitgedacht.
Queere Frauen & nicht-binäre Personen – Gehören sie zum Feminismus? Ist der Weltfrauentag wirklich für alle da – oder wird noch immer in alten Kategorien gedacht?
Migrantinnen & Frauen mit intersektionaler Diskriminierung – Herkunft, Hautfarbe oder Religion beeinflussen oft den Zugang zu Rechten, Chancen und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer spricht für sie?
Ein Kampf für Gleichberechtigung kann nur dann erfolgreich sein, wenn er alle Frauen mitdenkt. Feminismus, der nicht inklusiv ist, bleibt unvollständig.
Wusstest du, dass…? – Skurrile Gesetze und unglaubliche Fakten über Frauenrechte
Gleichberechtigung? Manchmal fühlt es sich an, als würden wir über Selbstverständlichkeiten sprechen.
Doch ein Blick auf einige Gesetze und Fakten zeigt, dass die Realität oft absurder ist, als wir denken:
In der Schweiz durften Frauen erst ab 1971 wählen.
In Frankreich war es Frauen bis 2013 gesetzlich verboten, Hosen zu tragen – offiziell galt eine Regelung aus dem Jahr 1800.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen erst seit 2018 Auto fahren – jahrzehntelang war es verboten.
In Deutschland brauchten Frauen bis 1977 die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen.
In den USA kann eine Frau in einigen Bundesstaaten legal gefeuert werden, wenn sie schwanger wird – Mutterschutz ist nicht überall selbstverständlich.
In Afghanistan dürfen Frauen seit der Machtübernahme der Taliban 2021 nicht mehr zur Schule gehen, nicht mehr studieren und nicht mehr ohne männliche Begleitung das Haus verlassen.
In Afghanistan dürfen Frauen in der Öffentlichkeit nicht mehr sprechen. In bestimmten Provinzen gibt es Berichte, dass sie nicht einmal laut lachen dürfen.
Deutschland: Fortschritt mit bitterem Beigeschmack
Bis 1958 galt das "Leitbild der Hausfrauenehe" – Frauen durften nur arbeiten, wenn es den Haushalt „nicht beeinträchtigte“. Entscheidend war, was der Mann davon hielt.
Bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland nicht strafbar.
Bis heute gibt es eine „Tampon-Steuer“: Menstruationsprodukte wurden bis 2020 mit dem Luxussteuersatz von 19% besteuert, während Trüffel oder Kunstgegenstände mit nur 7% belegt waren.
Europa: Skurrile Gesetze, die bis heute nachwirken
Spanien: Bis 1975 brauchten Frauen die Erlaubnis ihres Ehemannes, um zu arbeiten oder ein Bankkonto zu eröffnen.
Italien: Bis 1981 konnte ein Mann, der seine Frau aus „Ehre“ tötete, mit einer milden Strafe davonkommen.
Frankreich: Ein 1800 erlassenes Gesetz verbot Frauen offiziell, in Paris Hosen zu tragen – es wurde erst 2013 abgeschafft.
Schweiz: Bis 1985 durften Frauen keinen Arbeitsvertrag abschließen oder ein Konto ohne Zustimmung ihres Mannes eröffnen.
Und weltweit?
In einigen Ländern Afrikas und Asiens dürfen Frauen noch immer nicht ohne Erlaubnis ihres Mannes reisen.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen erst seit 2018 einen Reisepass ohne männliche Zustimmung beantragen.
In den USA gibt es keinen gesetzlich geregelten Mutterschutz. In manchen Bundesstaaten können Frauen nach der Geburt sofort wieder arbeiten müssen – oder entlassen werden.
Das 21. Jahrhundert – und dennoch existieren solche Gesetze?
Gleichberechtigung ist ein Fortschritt, kein Selbstläufer.
Ist das die Welt, in der wir leben wollen?
Weltweite Perspektive: Fortschritte
Gleichberechtigung ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis von politischem Willen und gesellschaftlichem Wandel.Ein Blick in einige Länder zeigt, dass Fortschritt möglich ist, wenn man ihn ernst nimmt.
Vorbilder in Sachen Gleichstellung
Skandinavien beweist, dass konsequente Gleichstellungspolitik funktioniert. Elternzeit für Väter, gerechte Bezahlung, Frauenquoten in Wirtschaft und Politik – all das führt dazu, dass Frauen in Ländern wie Schweden, Norwegen und Island deutlich bessere Chancen haben als anderswo.
Island ist Vorreiter beim Equal Pay. Seit 2018 müssen Unternehmen nachweisen, dass sie Männer und Frauen gleich bezahlen – oder sie müssen mit Strafen rechnen.
Spanien hat eines der strengsten Gesetze gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Seit 2004 gibt es spezielle Gerichte für Fälle von Gewalt gegen Frauen, und Schutzmaßnahmen wurden massiv ausgebaut.
Internationale Bewegungen: Die Stimme der Frauen wird lauter
Von #MeToo bis Frauenstreiks – ob online oder auf der Straße, weltweit kämpfen Frauen für ihre Rechte. In Ländern wie Argentinien führte der Protest von Frauenbewegungen dazu, dass 2020 das Abtreibungsrecht reformiert wurde.
In Polen demonstrierten 2020 Hunderttausende gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts – der größte Protest in der Geschichte des Landes.
Frauen in Iran riskieren ihr Leben, um gegen die Zwangsverschleierung zu protestieren. Die Bewegung Frau, Leben, Freiheit zeigt, dass der Kampf um Selbstbestimmung keine Grenzen kennt.
Gleichberechtigung ist möglich – wenn der Druck hoch genug ist. Aber reicht das? Was muss noch geschehen?
Weltfrauentag 2025 – Was kannst du tun?
Der Weltfrauentag ist mehr als ein Gedenktag – er ist ein Weckruf. Ein Tag, der uns daran erinnert, dass Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist. Doch Veränderung beginnt nicht nur in der Politik oder in großen Bewegungen – sie beginnt auch bei uns selbst, im Alltag, in kleinen, aber wirkungsvollen Schritten.
Sichtbarkeit schaffen bedeutet, Frauen zu unterstützen und zu feiern, die inspirieren – sei es die Freundin, die beruflich neue Wege geht, die Kollegin, die sich im Job behauptet, oder Frauen, die in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft Großes leisten. Wer sichtbar ist, kann etwas verändern.
Bildung ist Macht. Lies ein Buch über starke Frauen, feministische Themen oder über die Geschichte der Frauenrechte. Wissen stärkt das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten – und hilft, Vorurteile und alte Denkmuster aufzubrechen.
Erhebe deine Stimme. Sprich über Missstände – sei es online, im Gespräch mit Freunden oder im beruflichen Umfeld. Sexismus, Ungleichbehandlung und Diskriminierung verschwinden nicht, wenn wir schweigen. Wer sich äußert, macht den Unterschied.
Setze dein Geld bewusst ein. Unterstütze Unternehmen, die Frauen fördern, und Gründerinnen, die sich in männerdominierten Branchen behaupten. Konsum ist eine Macht – und jeder Kauf eine Entscheidung, welche Werte wir mittragen.
Ziehe klare Grenzen. Sage Nein zu Sexismus, Ungerechtigkeit und Diskriminierung – ob in Gesprächen, im Job oder in den Medien. Veränderung beginnt da, wo wir nicht mehr schweigen, nicht mehr hinnehmen, nicht mehr relativieren.
Der Weltfrauentag ist kein Symbol für das, was wir erreicht haben – sondern eine Erinnerung daran, was noch zu tun ist. Vielleicht kommt der Tag, an dem wir ihn nicht mehr brauchen, weil Gleichberechtigung selbstverständlich ist. Doch bis dahin bleibt er ein Auftrag.
Denn Gleichberechtigung ist kein Frauenthema – sie ist eine Aufgabe für alle. Und sie ist längst überfällig.
Weltfrauentag: Erbe, Mut und ein Auftrag, den wir nicht ablehnen dürfen
Der 8. März ist mehr als eine Zahl im Kalender. Mehr als ein Tag für Blumen und wohlmeinende Worte. Er ist ein Vermächtnis. Ein Echo aus der Vergangenheit, eine Stimme der Gegenwart – und eine Forderung an die Zukunft.
Dieser Tag gehört den Frauen, die sich nicht mit einem „So war es immer“ abspeisen ließen. Den Frauen, die ihre Stimmen erhoben, als sie niemand hören wollte. Die gelitten, geliebt, gekämpft haben – und dabei oft alles verloren.
Ihr Mut. Ihre Entbehrungen. Ihr unerschütterlicher Wille. Das ist unser Erbe.
Und was tun wir damit? Wir müssen es weitertragen. Weil es noch nicht reicht. Weil Frauen immer noch weniger verdienen, weniger gehört werden, weniger Rechte haben. Weil Gewalt gegen Frauen keine Randnotiz ist, sondern bittere Realität. Weil es 2025 ist – und Frauen immer noch für Grundrechte kämpfen müssen.
Vielleicht wird der Weltfrauentag eines Tages Geschichte sein. Nicht, weil wir vergessen, sondern weil wir endlich am Ziel sind. Weil echte Gleichberechtigung nicht mehr diskutiert, sondern gelebt wird. Weil ein Mädchen, egal wo es geboren wird, dieselben Chancen hat wie ein Junge. Weil Stärke nicht mehr als männlich gilt und Fürsorge nicht mehr als weiblich.
Dann – und erst dann – können wir diesen Tag als Erinnerung feiern. Und nicht mehr als Mahnung.
Doch bis dahin bleibt der 8. März ein Auftrag. Und den dürfen wir nicht ablehnen.

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